Wissenschaftlicher Hintergrund: Bindungsstil (kurz)
Über diesen Test
Der ECR-RD8 wurde von Ehrenthal und Kolleg:innen (2021) als Kurzform der deutschen ECR-R-Fassung (ECR-RD) entwickelt und an einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Allgemeinbevölkerung (n = 2.428) evaluiert. Er besteht aus acht der ursprünglich 36 ECR-RD-Items – vier für Bindungsangst, vier für Bindungsvermeidung (letztere umgekehrt gepolt) – auf einer 7-stufigen Skala. Die interne Konsistenz war gut (McDonalds Omega .87 für Bindungsangst, .91 für Bindungsvermeidung) und die zweifaktorielle Struktur wurde bestätigt. Ausgewertet wird ein Mittelwert je Dimension (1–7). Die Studie berichtet für die repräsentative Stichprobe Mittelwerte von 2,39 (SD 1,35) für Bindungsangst und 2,89 (SD 1,70) für Bindungsvermeidung sowie – als Zusatzmaterial – alters- und geschlechtsspezifische T-Wert-Normen. Wichtig: Die Studie legt selbst keine Kategorien oder klinischen Schwellenwerte fest. Die hier gezeigte Dreiteilung „unter / im Bereich / über dem deutschen Durchschnitt“ ist eine Orientierung von Empiralis: die übliche Einteilung bei einer Standardabweichung unter bzw. über dem Mittelwert (Grenzen bei 1,04 / 3,74 für Bindungsangst, 1,19 / 4,59 für Bindungsvermeidung). Sie verwendet den Gesamt-Mittelwert der Stichprobe, nicht die alters- und geschlechtsspezifischen Normen – dieser Test fragt weder Alter noch Geschlecht ab, ein individuell passender Vergleichswert kann daher abweichen.
Dimensionen
Bindungsangst
Ausmaß der Sorge, vom Partner oder der Partnerin zurückgewiesen oder verlassen zu werden. Durchschnittswert über vier Items (1,00–7,00). Repräsentativer deutscher Vergleichswert: M = 2,39 (SD 1,35). Die Bänder markieren ±1 SD um diesen Mittelwert – eine Orientierung von Empiralis, keine Kategorie der Studie.
Bindungsvermeidung
Ausmaß des Unbehagens bei emotionaler Nähe und Abhängigkeit. Durchschnittswert über vier (umgekehrt gepolte) Items (1,00–7,00). Repräsentativer deutscher Vergleichswert: M = 2,89 (SD 1,70). Die Bänder markieren ±1 SD um diesen Mittelwert – eine Orientierung von Empiralis, keine Kategorie der Studie.
Quellen & Lizenz
Ehrenthal, J. C., Zimmermann, J., Brenk-Franz, K., Dinger, U., Schauenburg, H., Brähler, E., & Strauß, B. (2021). Evaluation of a short version of the Experiences in Close Relationships-Revised questionnaire (ECR-RD8): results from a representative German sample. BMC Psychology, 9, 140.
Open Access unter CC BY 4.0 – Items und Normwerte sind frei mit Quellenangabe nutzbar, Vervielfältigung/Weitergabe ausdrücklich erlaubt. Die acht Itemformulierungen sowie die Mittelwerte und Standardabweichungen der repräsentativen Stichprobe (n = 2.428: Bindungsangst M = 2,39 / SD 1,35; Bindungsvermeidung M = 2,89 / SD 1,70) stammen wortgleich aus Tabelle 2 des Artikels. Der Artikel definiert keine Kategorien oder klinischen Schwellenwerte; er stellt neben den fortlaufenden Werten alters- und geschlechtsspezifische T-Wert-Normen als Zusatzmaterial bereit. Die auf Empiralis gezeigten Bänder (±1 SD um den Gesamt-Mittelwert) sind eine eigene Orientierungshilfe und nutzen die stratifizierten Normen nicht.
https://doi.org/10.1186/s40359-021-00637-zEhrenthal, J. C., Dinger, U., Lamla, A., Funken, B., & Schauenburg, H. (2009). Evaluation der deutschsprachigen Version des Bindungsfragebogens „Experiences in Close Relationships – Revised“ (ECR-RD). PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie, 59(6), 215–223.
Die vollständige validierte deutsche ECR-RD-Fassung (36 Items), aus der die acht Kurzform-Items stammen. Nichtklinische Stichprobe n = 1.006, klinische Stichprobe n = 225; Cronbachs Alpha .91/.92.
Fraley, R. C., Waller, N. G., & Brennan, K. A. (2000). An item response theory analysis of self-report measures of adult attachment. Journal of Personality and Social Psychology, 78(2), 350–365.
Ursprüngliche englische ECR-R-Entwicklung mittels Item-Response-Theorie – die Grundlage, aus der die deutsche ECR-RD und ihre Kurzform abgeleitet wurden.
https://labs.psychology.illinois.edu/~rcfraley/measures/ecrr.htm
Passende Artikel
Wie so ein Test wirklich entsteht und geprüft wird – verständlich erklärt.