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Wissenschaftlicher Hintergrund: Bindungsstil (ausführlich)

Über diesen Test

Der ECR-R wurde 2000 von Fraley, Waller und Brennan auf Basis der Item-Response-Theorie aus dem ursprünglichen ECR von Brennan, Clark und Shaver (1998) entwickelt und gilt als eines der psychometrisch robustesten Instrumente der Bindungsforschung. Die Kombination aus niedriger Bindungsangst und niedriger Bindungsvermeidung wird in der Forschung als „sicherer Bindungsstil“ bezeichnet; hohe Werte auf einer oder beiden Dimensionen entsprechen unsicher-ängstlichen, unsicher-vermeidenden bzw. ängstlich-vermeidenden Bindungsmustern. Für den deutschen Sprachraum gibt es zwei gesondert validierte Fassungen, die dieser Test bewusst nicht verwendet: die vollständige deutsche Version ECR-RD (Ehrenthal et al., 2009; nichtklinische Stichprobe n = 1.006, klinische Stichprobe n = 225; Cronbachs Alpha .91/.92) und deren 2021 an einer repräsentativen deutschen Stichprobe (n = 2.428) evaluierte 8-Item-Kurzform ECR-RD8 mit alters- und geschlechtsspezifischen Normwerten. Dieser Test nutzt stattdessen die englischen Originalitems von Fraley (offen für Forschung und Anwendung bereitgestellt) in einer eigenen, nicht gesondert validierten Übersetzung; die Auswertung folgt dem englischsprachigen Referenzrahmen und stützt sich nicht auf deutsche Normdaten. Für eine an deutschen Vergleichswerten ausgerichtete Einschätzung wäre die ECR-RD8 die vorzuziehende Grundlage.

Die englische Originalstudie von Fraley, Waller und Brennan (2000) berichtet für beide Dimensionen eine gute interne Konsistenz (Cronbachs Alpha rund .86 für Bindungsangst, .88 für Bindungsvermeidung) sowie eine für ein Persönlichkeitsmaß bemerkenswert hohe zeitliche Stabilität: Über drei bis sechs Wochen hinweg blieben beide Dimensionen zu 85–86 % stabil. Das spricht dafür, dass der ECR-R tatsächlich ein relativ überdauerndes Bindungsmuster erfasst und nicht nur eine tagesformabhängige Stimmung.

Dimensionen

Bindungsangst

Ausmaß der Sorge, vom/von der Partner:in zurückgewiesen oder verlassen zu werden.

Bindungsvermeidung

Ausmaß des Unbehagens bei emotionaler Nähe und Abhängigkeit von Partner:innen.

Quellen & Lizenz

  • Fraley, R. C., Waller, N. G., & Brennan, K. A. (2000). An item response theory analysis of self-report measures of adult attachment. Journal of Personality and Social Psychology, 78(2), 350–365.

    Der Originalautor R. Chris Fraley stellt die ECR-R-Items über seine Universitätswebsite offen für Forschung und Anwendung zur Verfügung. Anders als bei gemeinfreien Instrumenten (z. B. IPIP) sollte bei kommerzieller Nutzung dennoch Rücksprache gehalten werden. Die deutschen Formulierungen in diesem Test sind eine eigene, nicht gesondert validierte Übersetzung dieser englischen Originalitems.

    https://labs.psychology.illinois.edu/~rcfraley/measures/ecrr.htm
  • Ehrenthal, J. C., Dinger, U., Lamla, A., Funken, B., & Schauenburg, H. (2009). Evaluation der deutschsprachigen Version des Bindungsfragebogens „Experiences in Close Relationships – Revised“ (ECR-RD). PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie, 59(6), 215–223.

    Vollständige, gesondert validierte deutsche Version (ECR-RD, 36 Items). Hier nur als wissenschaftlicher Hintergrund referenziert – ihre Items werden in diesem Test nicht verwendet.

  • Ehrenthal, J. C., Zimmermann, J., Brenk-Franz, K., Dinger, U., Schauenburg, H., Brähler, E., & Strauß, B. (2021). Evaluation of a short version of the Experiences in Close Relationships-Revised questionnaire (ECR-RD8): results from a representative German sample. BMC Psychology, 9, 140.

    Open Access unter CC BY 4.0; die deutschen Items und die alters- und geschlechtsspezifischen Normwerte sind frei mit Quellenangabe nutzbar. Repräsentative deutsche Stichprobe (n = 2.428), McDonalds Omega .87 (Angst) / .91 (Vermeidung). Diese 8-Item-Kurzform wäre für eine an deutschen Normen ausgerichtete Einschätzung die vorzuziehende Grundlage; dieser Test verwendet sie derzeit nicht.

    https://doi.org/10.1186/s40359-021-00637-z
Dieser Test ist ein Selbsterkundungs-Instrument und keine klinische oder diagnostische Beurteilung. Bindungsstile sind Tendenzen, keine festen Kategorien, und können sich über die Zeit und mit unterschiedlichen Beziehungspartner:innen verändern. Der Test ersetzt keine Beratung durch Psycholog:innen oder Paartherapeut:innen.
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