ΨEmpiralis
← Zurück zum Test

Wissenschaftlicher Hintergrund: Depressions- und Angstprofil

Über diesen Test

Der IDAS (Inventory of Depression and Anxiety Symptoms) wurde von David Watson und Kolleg:innen entwickelt, um Depressions- und Angstsymptome feiner aufzuschlüsseln, als es Gesamtwert-Skalen können. Die erweiterte Fassung IDAS-II (Watson et al., 2012, Assessment) ergänzte unter anderem Skalen für Manie, Euphorie, Zwangssymptome und traumabezogene Symptome. Die hier verwendete deutsche Version wurde 2021 von Wester, Rubel, Zimmermann, Hall, Kaven und Watson im Auftrag des Leibniz-Instituts für Psychologie (ZPID) übersetzt und an einer deutschen Community-Stichprobe von N = 1.054 Personen (51 % weiblich, 18-74 Jahre) normiert -- nicht an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe, aber deutlich größer als bei den meisten Verfahren in diesem Katalog. Konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigten für jede der 18 Skalen Eindimensionalität; die interne Konsistenz (McDonald's Omega) lag für 16 der 18 Skalen über .80, nur bei Euphorie (ω = .75) und Ordnungszwang (ω = .73) etwas darunter. Konvergente und diskriminante Validität wurden gegen sieben weitere Verfahren geprüft, darunter PHQ-9, GAD-7 und WHO-5 -- alle drei ebenfalls Teil dieses Katalogs. Eine Besonderheit: Die Skala „Wohlbefinden“ misst nicht Symptome, sondern positives Erleben (Zuversicht, Vorfreude, Energie) -- hier ist ein NIEDRIGER Wert die auffällige Richtung, weil stark vermindertes positives Erleben (Anhedonie) ein Kernsymptom von Depression ist.

Dimensionen

Dysphorie

Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Entmutigung, Schuld- und Insuffizienzgefühle sowie Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten.

Abgeschlagenheit

Erschöpfung, Antriebslosigkeit, vermehrtes Schlafbedürfnis und Mühe, morgens in die Gänge zu kommen.

Schlaflosigkeit

Ein- und Durchschlafprobleme, frühes Erwachen und insgesamt schlechter Schlaf.

Suizidalität

Gedanken an den eigenen Tod oder Suizid sowie selbstverletzendes Verhalten.

Appetitsteigerung

Gesteigerter Appetit und vermehrtes Essen, auch ohne Hungergefühl.

Appetitlosigkeit

Vermindertem Appetit und wenig Lust zu essen.

Wohlbefinden

Zuversicht, Stolz, Vorfreude, Hoffnung und Energie -- ein Maß für positives Erleben, nicht für Symptome. Hier bedeutet ein NIEDRIGER Wert die auffällige Richtung (verminderte positive Gefühle, wie sie bei Depression häufig sind), ein hoher Wert ist unauffällig bis wünschenswert.

Übellaunigkeit

Reizbarkeit, Wutausbrüche und schnelle Frustration über Kleinigkeiten.

Manie

Rasende, sprunghafte Gedanken und stark beschleunigtes Sprechtempo.

Euphorie

Grundlose, überschwängliche Hochgefühle und subjektiv stark gesteigerte Energie oder Fähigkeiten.

Klaustrophobie

Angst und Vermeidungsverhalten in Bezug auf enge oder geschlossene Räume.

Soziale Angst

Angst vor Bewertung durch andere, vor Blamage und vor sozialen Situationen mit Fremden.

Ordnungszwang

Zwanghaftes Ordnen von Dingen und starres Festhalten an festen Abläufen bei Alltagsaufgaben.

Reinigungszwang

Übermäßiges Waschen und aktives Vermeiden von als schmutzig oder verseucht empfundenen Dingen.

Kontrollzwang

Wiederholtes Kontrollieren von Dingen, obwohl bereits klar ist, dass es nicht nötig wäre.

Traumatische Intrusionen

Sich aufdrängende, belastende Erinnerungen und Alpträume an ein schlimmes Ereignis.

Traumatische Vermeidung

Aktives Vermeiden von Erinnerungen, Gesprächen oder Situationen im Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis.

Panik

Körperliche Panik-Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Zittern, Schwindel und Erstickungsgefühle.

Quellen & Lizenz

  • Wester, R., Rubel, J., Zimmermann, J., Hall, M., Kaven, L., & Watson, D. (2021). IDAS-II. Inventory of Depression and Anxiety Symptoms -- Deutsche Version [Verfahrensdokumentation, Fragebogen und Normtabellen]. In Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) (Hrsg.), Open Test Archive. Trier: ZPID.

    CC BY-SA 4.0 (Open Test Archive / PsychArchives, ZPID). Item-Wortlaut und Normtabellen aus dieser deutschen Fassung; keine eigene Übersetzung.

    https://doi.org/10.23668/psycharchives.13493
  • Watson, D., O'Hara, M. W., Naragon-Gainey, K., Koffel, E., Chmielewski, M., Kotov, R., Stasik, S. M., & Ruggero, C. J. (2012). Development and validation of new anxiety and bipolar symptom scales for an expanded version of the IDAS (the IDAS-II). Assessment, 19(4), 399-420.

    Ursprungsarbeit zum englischen Originalverfahren -- als Hintergrundquelle zur Entwicklung der 18-Skalen-Struktur zitiert, nicht als Quelle der hier verwendeten deutschen Items.

Dieser Test ist ein wissenschaftlich fundiertes Selbsterkundungs-Instrument und ersetzt keine klinische Diagnostik. Die Normwerte stammen aus einer deutschen Community-Stichprobe (keine repräsentative Bevölkerungsstichprobe) und liegen nur für die Geschlechter männlich und weiblich vor. Falls deine Antworten Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid umfassen: Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall wähle den Notruf 112.

War das hilfreich?

Empiralis bleibt kostenlos und werbefinanziert. Wenn du das Projekt lieber direkt unterstützen möchtest, hilft jeder Beitrag dabei, es unabhängig zu halten.

Test durchführen