ADHS beim Kind: der Weg zur Diagnose
Der Vanderbilt-Elternfragebogen hat dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: die Kinderärztin/der Kinderarzt als erste Anlaufstelle, spezialisierte Stellen im Netz und vor Ort, der mehrstufige diagnostische Prozess und unser Arbeitsheft für die Zeit dazwischen.
Ein Elternfragebogen wie der Vanderbilt kann keine Diagnose stellen – das kann nur eine fachliche Diagnostik, die mehrere Quellen zusammenführt. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du eine geeignete Stelle findest, was euch dort erwartet, und was in der Zwischenzeit hilft.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Kinderärztin/jeder Kinderarzt darf eine ADHS-Diagnose stellen – dafür braucht es eine entsprechende Zusatzqualifikation oder die Überweisung an spezialisierte Fachpersonen. Und eine seriöse Diagnostik stützt sich nie auf eine einzelne Quelle: Eure Beobachtungen als Eltern sind wichtig, aber Rückmeldungen aus Kita oder Schule gehören ebenso dazu.
Der Weg zur Diagnose – Schritt für Schritt
1. Kinderärztin/Kinderarzt
Der erste Schritt ist ein Termin bei der Kinderärztin/dem Kinderarzt eures Kindes – mit euren konkreten Beobachtungen und möglichst auch einer Einschätzung von Kita oder Schule. Bei begründetem Verdacht erfolgt die Überweisung an eine spezialisierte Stelle.
2. Spezialisierte Diagnostikstelle finden
ADHS bei Kindern wird in der Regel von Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) oder entsprechend qualifizierten Kinderärzt:innen diagnostiziert. Dort arbeiten oft Ärzt:innen, Psycholog:innen und weitere Fachpersonen zusammen, um ein umfassendes Bild zu bekommen.
3. Der mehrstufige diagnostische Prozess
Eine seriöse Diagnostik stützt sich bewusst nicht auf eine einzelne Quelle: Elternfragebögen wie der Vanderbilt werden mit einer Rückmeldung von Kita oder Schule kombiniert, dazu kommen ein ausführliches Gespräch, eine Verhaltensbeobachtung und häufig eine Leistungsdiagnostik – um z. B. schulische Über- oder Unterforderung als andere Erklärung auszuschließen.
4. Auswertung und Behandlungsplan
Im Abschlussgespräch werden die Ergebnisse eingeordnet und ein individueller Behandlungsplan besprochen. Die Leitlinien empfehlen einen multimodalen Ansatz: Psychoedukation für die ganze Familie, Elterntraining und ggf. schulische Unterstützung – bei stärkerer Ausprägung ergänzt um eine medikamentöse Behandlung, die eng ärztlich begleitet wird.
Anlaufstellen im Netz
ADHS-Infoportal (adhs.info)
Unabhängiges Informationsportal des zentralen ADHS-Netzes speziell für Eltern und Angehörige, mit einer Übersicht regionaler ADHS-Versorgungsnetze in eurer Nähe.
adhs.info →ADHS-Elterntrainer
Kostenloses, wissenschaftlich fundiertes Online-Programm mit Filmsequenzen zu typischen Alltagssituationen – vermittelt konkrete verhaltenstherapeutische Methoden für den Umgang mit ADHS-bedingten Herausforderungen.
adhs.aok.de →Anlaufstellen vor Ort
Regionales ADHS-Netz
Interdisziplinär organisierte Versorgungsnetze für Menschen mit ADHS, gegliedert nach Bundesländern – auffindbar über die Übersicht des zentralen ADHS-Netzes.
zentrales-adhs-netz.de/regionale-netze →Kinderärztin/Kinderarzt
Erster Anlaufpunkt für Abklärung und Überweisung an spezialisierte Diagnostikstellen.
vor Ort
Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) oder Kinder- und Jugendpsychiatrie
Spezialisierte Diagnostik und Behandlung, meist nach Überweisung durch die Kinderärztin/den Kinderarzt.
vor Ort
Elterntelefon (Nummer gegen Kummer)
Kostenfreie, anonyme Beratung für Eltern in belastenden Erziehungssituationen.
0800 111 0 550
Arbeitsheft für die Zeit dazwischen
Zwischen erstem Verdacht und dem eigentlichen Diagnostiktermin liegt oft Zeit. Diese Zeit lässt sich nutzen: Ein Arbeitsheft für Eltern hilft, konkrete Beobachtungen strukturiert zu sammeln, den Alltag zu entlasten und den Kinderarztbesuch gut vorzubereiten.
Weitere Tipps für den Alltag
- Konkrete Beobachtungen statt eines allgemeinen Eindrucks notieren – das hilft im Gespräch mit einer Fachperson.
- Rückmeldung von Kita oder Schule aktiv einholen, nicht nur die eigene Perspektive berücksichtigen.
- Feste Routinen und klare, kurze Anweisungen geben – das entlastet, wenn Struktur schwerfällt.
- Positives Verhalten gezielt und konkret loben, statt sich nur auf Fehlverhalten zu konzentrieren.
- Regelmäßige Bewegungspausen im Alltag einplanen.
- Nicht warten, bis es „zu spät“ erscheint – frühe Unterstützung wirkt in der Regel deutlich besser als langes Abwarten.
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