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Wissenschaftlicher Hintergrund: CAT-Q (Masking)

Über diesen Test

Der CAT-Q wurde 2019 von Laura Hull und Kolleg:innen am University College London entwickelt, nachdem klinische Beobachtungen zeigten, dass viele autistische Menschen – insbesondere Frauen und spät diagnostizierte Erwachsene – ihre Merkmale so erfolgreich kaschieren, dass klassische Screening-Instrumente wie der AQ sie nicht zuverlässig erfassen. Camouflaging wird mit erhöhter psychischer Erschöpfung, Angst und Depression sowie einer verzögerten Diagnose in Verbindung gebracht. Der Fragebogen zeigt in Validierungsstudien gute interne Konsistenz für alle drei Subskalen und unterscheidet zuverlässig zwischen autistischen und nicht-autistischen Stichproben. Hinweis: 2026 erschien mit dem CAT-Q/DE (Boettcher, Zapf, Daubmann, Schimmelmann, Bindt, Hohmann & Micheel, 2026, Journal of Autism and Developmental Disorders, DOI 10.1007/s10803-026-07423-z) eine eigenständige, offiziell validierte deutsche Übersetzung – allerdings speziell für Jugendliche (13–21 Jahre, N=164 autistische und N=482 nicht-autistische Teilnehmende, Selbst- und Elternbericht per LimeSurvey), nicht für Erwachsene. Die Studie bestätigt die ursprüngliche Drei-Faktoren-Struktur auch im Deutschen, veröffentlicht aber keine kategorialen Cutoff-Werte, sondern separate Normwerte je Stichprobe (Supplementary Table 6a). Die hier verwendeten Bandbreiten stammen weiterhin aus der englischsprachigen Erwachsenenstichprobe von Hull et al. (2019) und wurden nicht an dieser deutschen Jugendstudie kalibriert. Wichtig für die Einordnung: Eine 2026 veröffentlichte kritische Übersichtsarbeit über 389 Studien (Arnold, Bitsika & Sharpley, 2026, Autism) attestiert dem CAT-Q zwar exzellente Reliabilität, findet aber gemischte Evidenz für seine Validität – die Gesamtwerte korrelierten bereits in Hulls eigener Validierungsstudie (2019) stärker mit sozialer Angst als mit autistischen Merkmalen, und in einer weiteren Studie (Ai et al., 2023) stärker mit ADHS-Merkmalen als mit autistischen Merkmalen. Die Autismus-Spezifität des Instruments ist damit begrenzt, weshalb die Übersichtsarbeit ausdrücklich von einer Verwendung als Screening-Instrument abrät. Mehrere fremdsprachige Übersetzungen (u. a. niederländisch, japanisch, schwedisch, traditionell-chinesisch) konnten außerdem die ursprüngliche Drei-Faktoren-Struktur nicht replizieren, und die niederländische sowie die französische Version zeigten keine Messinvarianz zwischen autistischen und nicht-autistischen Gruppen – ein Hinweis, dass Ergebnisse über Sprach- und Kulturräume hinweg nicht ohne Weiteres vergleichbar sind, was auch für unsere eigene, nicht separat validierte deutsche Übersetzung gilt. Auch die Autor:innen des CAT-Q selbst raten inzwischen ausdrücklich von einer diagnostischen Verwendung ab: In einem 2026 erschienenen Perspective-Artikel (Hannon, Hull, Lai, Magiati & Mandy, 2026, Autism in Adulthood) – mit CAT-Q-Miterfinderin Laura Hull als Ko-Autorin – wird empfohlen, CAT-Q-Werte weder für diagnostische Entscheidungen noch zur Verlaufsmessung einer Behandlung zu nutzen.

Dimensionen

Kompensation

Strategien, um Schwierigkeiten in sozialen Situationen aktiv auszugleichen – etwa durch das Erlernen sozialer Regeln, das Nachahmen anderer oder das Entwickeln fester „Drehbücher“ für Interaktionen.

Maskierung

Strategien, um autistische Merkmale zu verbergen oder den eigenen äußeren Eindruck zu steuern – etwa durch bewusste Kontrolle von Mimik, Körpersprache oder Blickkontakt.

Anpassung

Strategien und Erfahrungen rund um das Bemühen, sich in sozialen Situationen anzupassen – etwa durch das „Vorspielen“ von Interesse oder das Erzwingen von Interaktionen.

Quellen & Lizenz

  • Hull, L., Mandy, W., Lai, M.-C., Baron-Cohen, S., Allison, C., Smith, P., & Petrides, K. V. (2019). Development and validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q). Journal of Autism and Developmental Disorders, 49(3), 819–833.

    Der CAT-Q steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0 und darf mit Namensnennung frei genutzt, verändert und weiterverbreitet werden. Die hier gezeigten deutschen Formulierungen sind unsere eigene, nicht klinisch validierte Übersetzung der englischen Originalitems. Seit 2026 existiert mit dem CAT-Q/DE (siehe wissenschaftlicher Hintergrund) eine offiziell validierte deutsche Fassung mit im Supplementary Material veröffentlichten Items – allerdings für Jugendliche, nicht für Erwachsene. Wir haben unsere Übersetzung Item für Item mit dieser offiziellen Fassung sowie mit dem englischen Original (Table 4, Hull et al. 2019) abgeglichen: Inhalt, Subskalen-Zuordnung und Itemreihenfolge stimmen bei allen 25 Items überein. Einzige Abweichung: Bei Item 12 (Blickkontakt) formuliert das offizielle CAT-Q/DE die Aussage bewusst umgekehrt gepolt und wertet sie deshalb direkt statt invertiert, während unsere Fassung – wie das englische Original – die Verneinung beibehält und das Item entsprechend umgekehrt wertet (`reverse: true`); beide Vorgehen sind rechnerisch gleichwertig. Wir behalten unsere eigene Übersetzung bewusst bei, da sie sich als inhaltlich deckungsgleich erwiesen hat und für Erwachsene formuliert ist, während das offizielle CAT-Q/DE nur an Jugendlichen validiert wurde.

    https://cat-q.org/
  • Boettcher, J., Zapf, H., Daubmann, A., Schimmelmann, B., Bindt, C., Hohmann, S., & Micheel, J. (2026). Assessing Camouflaging in Adolescence: Psychometric Evaluation of the German Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q/DE). Journal of Autism and Developmental Disorders. Advance online publication.

    Open-Access-Artikel unter CC BY 4.0 (gefördert vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf). Validiert die deutsche CAT-Q-Übersetzung für Jugendliche (13–21 Jahre, N=164 autistische und N=482 nicht-autistische Teilnehmende); dient hier nur als Hintergrundreferenz, nicht als Grundlage der auf dieser Seite verwendeten Items oder Bandbreiten (siehe wissenschaftlicher Hintergrund).

    https://doi.org/10.1007/s10803-026-07423-z
  • Arnold, W. M., Bitsika, V., & Sharpley, C. F. (2026). Camouflaging and autism: Conceptualisation and methodological issues. Autism, 30(5), 1131–1146.

    Open-Access-Artikel unter CC BY 4.0. Kritische Übersichtsarbeit über 389 Studien zu Camouflaging-Konzepten und -Messinstrumenten (u. a. CAT-Q); dient hier nur als Hintergrundreferenz zur Einordnung von Validität und Grenzen des Instruments, nicht als Grundlage der auf dieser Seite verwendeten Items oder Bandbreiten (siehe wissenschaftlicher Hintergrund).

    https://doi.org/10.1177/13623613261420085
  • Hannon, B. R., Hull, L., Lai, M.-C., Magiati, I., & Mandy, W. (2026). The Use and Misuse of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire in Autism Research and Clinical Practice: Issues, Considerations, and Suggestions. Autism in Adulthood.

    Perspective-Artikel der CAT-Q-Miterfinderin Laura Hull mit Kolleg:innen; empfiehlt ausdrücklich, CAT-Q-Werte nicht für diagnostische Entscheidungen oder zur Verlaufsmessung einer Behandlung zu verwenden. Dient hier nur als Hintergrundreferenz, bestätigt aber unmittelbar den bereits bestehenden Disclaimer dieser Seite.

    https://doi.org/10.1177/25739581261435868
Dieser Test ist ein Selbsterkundungs-Instrument und keine klinische oder diagnostische Beurteilung von Autismus. Er ersetzt keine fachliche Diagnostik durch spezialisierte Psycholog:innen oder Ärzt:innen.
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