Autismus-Spektrum: der Weg zur Diagnose
RAADS-R und/oder CAT-Q haben dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: die Überweisung, Autismus-Ambulanzen im Netz und vor Ort, der diagnostische Prozess und unser Arbeitsheft für die oft lange Wartezeit dazwischen.
Ein Online-Screener wie der RAADS-R oder der CAT-Q kann keine Diagnose stellen – das kann nur eine spezialisierte fachliche Diagnostik. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du eine geeignete Stelle findest, was dich dort erwartet, und was in der oft langen Zwischenzeit hilft.
Die ehrliche Ansage vorweg: Anders als bei Depression oder Angst ist der Weg zu einer Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter in Deutschland aufwändiger und die Wartezeiten sind deutlich länger – häufig ein bis zwei Jahre, in Ballungsräumen teils mehr. Das macht die Abklärung nicht weniger sinnvoll, aber es lohnt sich, früh anzufragen und die Wartezeit bewusst zu nutzen.
Der Weg zur Diagnose – Schritt für Schritt
1. Hausärztin/Hausarzt oder Psychotherapeutin/Psychotherapeut
Der erste Schritt ist eine Überweisung mit dem Vermerk „Diagnoseabklärung Autismus-Spektrum“ – das übernimmt in der Regel deine Hausärztin/dein Hausarzt oder eine Psychotherapeutin/ein Psychotherapeut. Die Diagnostik selbst wird bei Vorliegen einer Überweisung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
2. Eine Autismus-Ambulanz oder -Sprechstunde finden
Autismus-Diagnostik für Erwachsene findet meist an spezialisierten Autismus-Ambulanzen statt – häufig an Universitätskliniken oder darauf spezialisierten Zentren. Da Wartelisten oft lang oder zeitweise geschlossen sind, lohnt es sich, mehrere Stellen parallel anzufragen, statt auf eine einzige zu warten.
3. Der diagnostische Prozess
Eine seriöse Diagnostik erstreckt sich über mehrere Termine: ein ausführliches Anamnese-Gespräch zur Entwicklungsgeschichte, der ADOS-2 (eine strukturierte Beobachtungssituation zu Kommunikation und sozialer Interaktion, ca. 40–60 Minuten) sowie häufig der ADI-R (ein strukturiertes Interview, oft mit Angehörigen zur Kindheit) und bei Bedarf ergänzende Tests wie eine Intelligenzdiagnostik.
4. Abschlussgespräch und weitere Schritte
Im Abschlussgespräch werden die Ergebnisse eingeordnet und – unabhängig vom Ausgang – Empfehlungen für die weiteren Schritte besprochen: mögliche Unterstützungsangebote, Therapie bei begleitenden Themen wie Angst oder Erschöpfung, und Kontakt zu Selbsthilfestrukturen.
Anlaufstellen im Netz
Bundesverband autismus Deutschland e.V.
Dachverband von rund 55 Regional- und Landesverbänden mit Informationen, einer Kartensuche für Anlaufstellen in der Nähe sowie Selbsthilfegruppen und Elternkursen.
autismus.de →Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Bundesweite Arztsuche, filterbar nach Fachrichtung, Ort, Sprache und Barrierefreiheit – hilfreich, um eine Hausärztin/einen Hausarzt oder Psychotherapeutin/Psychotherapeuten für die Überweisung zu finden.
arztsuche.116117.de →Anlaufstellen vor Ort
Autismus-Ambulanz oder Autismus-Sprechstunde
Spezialisierte Diagnostikstellen für Erwachsene, häufig an Universitätskliniken angesiedelt. Adressen erfragst du über deine Hausärztin/deinen Hausarzt oder findest sie über die Kartensuche von autismus Deutschland e.V.
vor Ort
Hausärztin/Hausarzt oder Psychotherapeutin/Psychotherapeut
Erster Anlaufpunkt für die Überweisung zur Diagnoseabklärung.
vor Ort
Regionaler Autismus-Selbsthilfeverband
Über die Kartensuche von autismus Deutschland e.V. findest du Ansprechpartner:innen, Selbsthilfegruppen und Beratung in deiner Region.
autismus.de/ueber-uns/struktur-des-bundesverbandes/regionalverbaende-und-mitgliedsorganisationen.html →Arbeitsheft für die Wartezeit dazwischen
Zwischen erster Überweisung und dem eigentlichen Diagnostiktermin können ein bis zwei Jahre liegen. Diese Zeit lässt sich nutzen: ein Arbeitsheft, das hilft, Reize zu regulieren, soziale Energie bewusster einzuteilen und die eigene Anamnese für das Diagnosegespräch vorzubereiten.
Weitere Tipps für den Alltag
- Eigene Bedürfnisse nach Rückzug oder Reizreduktion ernst nehmen, statt sie zu unterdrücken.
- Sensorische Auslöser identifizieren und die Umgebung anpassen, wo möglich (Kopfhörer, Lichtquellen, Kleidung).
- Soziale Energie wie eine begrenzte Ressource behandeln – bewusst Erholungszeit nach Interaktionen einplanen.
- Klare, direkte Kommunikation einfordern, statt implizite soziale Regeln erraten zu müssen.
- Austausch mit anderen Autist:innen suchen – viele berichten spürbare Entlastung durch Peer-Kontakt.
- Wartezeit aktiv nutzen: Beispiele aus der Kindheit sammeln (eigene Erinnerungen, Berichte der Familie, alte Schulzeugnisse) – das erleichtert die Anamnese im Diagnosegespräch erheblich.
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