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ADHS bei Erwachsenen: der Weg zur Diagnose

Der ASRS oder der ADHS-Pfad haben dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: erste Anlaufstelle, Anlaufstellen im Netz und vor Ort, das eigentliche diagnostische Gespräch und unsere Arbeitshefte für die Zeit dazwischen.

Ein Online-Screener wie der ASRS-v1.1 kann keine Diagnose stellen – das kann nur ein ausführliches klinisches Gespräch. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen, statt es dabei zu belassen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du einen Termin bekommst, was dich im diagnostischen Gespräch erwartet, und was in der Zwischenzeit hilft.

Der Weg ist in Deutschland überall im Kern gleich, kann sich aber je nach Wohnort, Krankenkasse und Auslastung der Praxen in der Wartezeit stark unterscheiden. Nimm die Schritte unten als Orientierung, nicht als Versprechen für einen bestimmten Zeitrahmen.

Der Weg zur Diagnose – Schritt für Schritt

1. Hausärztin oder Hausarzt

Der erste Anlaufpunkt ist in der Regel die Hausärztin oder der Hausarzt. Sie oder er kann andere Ursachen für die Symptome ausschließen oder mit einordnen (z. B. Schlafmangel, Schilddrüse, Depression) und überweist bei begründetem Verdacht an eine Fachärztin/einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder direkt an eine spezialisierte Ambulanz.

2. Fachärztliche Praxis oder Ambulanz finden

Für die eigentliche ADHS-Diagnostik braucht es eine Fachärztin/einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten oder eine spezialisierte Ambulanz – letztere oft an Universitätskliniken, meist mit den längsten, aber auch fundiertesten Wartelisten. Die Terminservicestelle 116117 vermittelt Termine bei Fachärzt:innen und Psychotherapeut:innen für gesetzlich Versicherte; die bundesweite Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt zusätzlich, welche Praxen in der Nähe einen Schwerpunkt auf ADHS-Diagnostik angeben.

3. Das diagnostische Gespräch

Eine seriöse ADHS-Diagnose stützt sich nicht auf einen einzelnen Fragebogen, sondern auf ein ausführliches klinisches Interview. Der in Deutschland gebräuchliche Goldstandard dafür ist das DIVA-5 – ein strukturiertes Interview, das systematisch alle Kriterien für Kindheit und Gegenwart anhand konkreter Alltagsbeispiele durchgeht und in der Regel 60 bis 90 Minuten dauert. Dazu kommen meist weitere Fragebögen, ein Blick auf mögliche andere Erklärungen (z. B. Depression, Angst, Substanzkonsum) und – wo möglich – eine Fremdanamnese: Berichte von Eltern, Partner:in oder alten Schulzeugnissen zur Kindheit, weil ein zentrales Diagnosekriterium ist, dass die Schwierigkeiten schon vor dem 12. Lebensjahr bestanden.

4. Diagnose und weitere Schritte

Am Ende steht entweder eine Diagnose mit Behandlungsplan (z. B. Psychotherapie, Coaching, gegebenenfalls Medikation) oder die begründete Einordnung, dass eine andere Erklärung wahrscheinlicher ist. Beides ist ein Ergebnis der Abklärung, kein Fehlschlag – gerade weil sich ADHS-Symptome mit so vielen anderen Themen überschneiden können.

Anlaufstellen im Netz

Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Bundesweite Arztsuche, filterbar nach Fachrichtung, Ort, Sprache und Barrierefreiheit – hilfreich, um gezielt nach Praxen mit ADHS-Schwerpunkt in der Nähe zu suchen.

arztsuche.116117.de

ADHS Deutschland e. V.

Bundesweiter Selbsthilfeverband mit über 200 Selbsthilfegruppen (auch online) und einem telefonischen Beratungsnetzwerk aus Betroffenen und Angehörigen.

adhs-deutschland.de

NAKOS – digitale Selbsthilfe

Bundesweite Datenbank für digitale Selbsthilfegruppen und -communities zu vielen Themen, ADHS eingeschlossen.

digitale-selbsthilfe.de

Anlaufstellen vor Ort

Terminservicestelle

Vermittelt zeitnahe Termine bei Fachärzt:innen und Psychotherapeut:innen für gesetzlich Versicherte – telefonisch, online oder per App.

116 117

Hausärztin/Hausarzt

Erster Anlaufpunkt für Abklärung und Überweisung an eine spezialisierte Fachperson.

vor Ort

Lokale Selbsthilfegruppe

Die NAKOS-Datenbank listet lokale Selbsthilfekontaktstellen nach Postleitzahl; ADHS Deutschland e. V. bietet zusätzlich eine Kartensuche der eigenen 200+ Gruppen.

nakos.de

Arbeitshefte für die Zeit dazwischen

Zwischen erstem Verdacht und dem eigentlichen Termin liegen oft Wochen oder Monate. Diese Zeit lässt sich nutzen: Je konkreter deine eigenen Beobachtungen sind, wenn du im Sprechzimmer sitzt, desto mehr bringt dir das Gespräch.

Weitere Tipps für den Alltag

  • Konkrete Beispiele sammeln statt eines allgemeinen Eindrucks – notiere Situationen, in denen Konzentration oder Organisation besonders schwerfielen, mit Datum und Kontext.
  • Externe Struktur schaffen: Kalender, Erinnerungen und Checklisten übernehmen die Organisation, die intern schwerer fällt.
  • Große Aufgaben in kleine, konkrete Schritte zerlegen, statt sie als Ganzes anzugehen.
  • Feste Routinen für wiederkehrende Aufgaben etablieren, um Entscheidungsmüdigkeit zu reduzieren.
  • Ablenkungen aktiv reduzieren (z. B. Handy während fokussierter Arbeit in einen anderen Raum legen).
  • Dich nicht an neurotypischen Maßstäben messen – eine andere Arbeitsweise ist nicht automatisch eine schlechtere.
Diese Seite ersetzt keine professionelle Diagnostik und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – je nach Wohnort, Krankenkasse und Praxisauslastung kann der tatsächliche Weg von der obigen Beschreibung abweichen. Bei akuten seelischen Krisen: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei und anonym, bei Gefahr 112. Weitere Hilfsangebote für andere Themen: die Übersicht unter „Hilfe & Anlaufstellen“.