Alkohol & Substanzen: der Weg zur Beratung
Der AUDIT hat dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: die Suchtberatungsstelle als erste Anlaufstelle, Anlaufstellen im Netz und vor Ort, was dich im Erstgespräch erwartet und unser Arbeitsheft für die Zeit dazwischen.
Ein Online-Screener wie der AUDIT kann keine Diagnose stellen – das kann nur ein ausführliches Gespräch mit einer Fachperson. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du eine Beratungsstelle findest, was dich dort erwartet, und was in der Zwischenzeit hilft.
Die gute Nachricht vorweg: Anders als bei vielen anderen Themen ist der Zugang zur Suchtberatung in Deutschland bewusst niedrigschwellig gehalten – die meisten Angebote sind kostenfrei, viele auch anonym möglich, und du brauchst weder eine Überweisung noch eine Diagnose, um dort ernst genommen zu werden.
Der Weg zur Beratung – Schritt für Schritt
1. Eine Suchtberatungsstelle finden und einen Termin vereinbaren
In Deutschland gibt es rund 1.300 Suchtberatungsstellen – meist getragen von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden oder kirchlichen Trägern. Sie sind die zentrale erste Anlaufstelle bei Alkohol, anderen Substanzen oder auch süchtigem Verhalten wie Glücksspiel. Am besten vorab telefonisch oder per E-Mail einen Termin vereinbaren, statt unangemeldet vorbeizugehen.
2. Das Erstgespräch
Im vertraulichen Erstgespräch schildert du deine Situation: Konsumverhalten, Hintergründe, soziales Umfeld und eigene Ziele – von reiner Reduktion bis Abstinenz, je nachdem, was für dich passt. Die Beratung ist ergebnisoffen; es geht nicht darum, dir eine bestimmte Lösung vorzuschreiben.
3. Einordnung und ggf. Vermittlung
Gemeinsam wird eingeordnet, wo dein Konsum auf dem Spektrum von risikoarm bis abhängig liegt und was als Nächstes sinnvoll ist. Bei Bedarf vermittelt die Beratungsstelle in ambulante oder stationäre Therapieangebote und klärt mit dir die dafür nötigen Schritte (z. B. Anträge bei Krankenkasse oder Rentenversicherung).
4. Weitere Begleitung
Viele Beratungsstellen bieten auch längerfristige begleitende Gespräche an, unabhängig davon, ob eine Therapie folgt oder nicht. Ergänzend können Selbsthilfegruppen (z. B. Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz) eine wertvolle zusätzliche Stütze sein. Studien zu Kurzinterventionen zeigen: Schon ein einziges strukturiertes Gespräch über das eigene Trinkverhalten kann das Konsumverhalten nachweislich verändern – besonders früh, vor einer Abhängigkeit.
Anlaufstellen im Netz
Suchthilfeverzeichnis der DHS
Bundesweite Suchmaske der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) für Suchtberatungsstellen – filterbar nach Ort, Entfernung, Substanz/Thema und Zielgruppe.
dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis →Kenn dein Limit (BZgA)
Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Alkoholkonsum, mit Selbsttests, Tipps zum Reduzieren und einer anonymen Online-Beratung.
kenn-dein-limit.de →Anlaufstellen vor Ort
Sucht- und Drogenhotline
Bundesweite, kostenfreie telefonische Beratung zu Alkohol und anderen Substanzen.
01806 313031
BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung
Telefonische Beratung, auch anonym möglich, inklusive Vermittlung von Adressen örtlicher Suchtberatungsstellen.
0221 892031 (Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr)
Örtliche Suchtberatungsstelle
In der Regel kostenfrei, oft auch anonym möglich – auffindbar über das Suchthilfeverzeichnis der DHS oder die Stadt-/Landkreisverwaltung.
vor Ort
Hausärztin/Hausarzt
Erster Anlaufpunkt für gesundheitliche Abklärung und Vermittlung an spezialisierte Angebote.
vor Ort
Arbeitsheft für die Zeit dazwischen
Zwischen erstem Verdacht und dem eigentlichen Beratungstermin liegt oft noch Zeit. Diese Zeit lässt sich nutzen: Ein ehrliches Konsum-Tagebuch macht Muster und Auslöser sichtbar – wertvoll für dich und für das Erstgespräch in der Beratungsstelle.
Weitere Tipps für den Alltag
- Konsum erst einmal dokumentieren, bevor du ihn veränderst – das schafft ein ehrliches Bild ohne sofortigen Handlungsdruck.
- Bewusst konsumfreie Tage in der Woche einplanen, statt komplette Abstinenz als einzige Option zu sehen.
- Auslösesituationen identifizieren: Zu welcher Tageszeit, mit wem, in welcher Stimmung greifst du am ehesten zu?
- Alternativen für soziale Situationen überlegen, in denen Konsum bisher automatisch dazugehörte.
- Nicht allein durchziehen – sprich mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle, auch wenn es unangenehm ist.
- Rückfälle sind kein Scheitern, sondern bei vielen Veränderungsprozessen normal – entscheidend ist, danach weiterzumachen statt aufzugeben.
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