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Angst: der Weg zur Behandlung

Der GAD-7 hat dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: erste Anlaufstelle, Anlaufstellen im Netz und vor Ort, die psychotherapeutische Sprechstunde und unser Arbeitsheft für die Zeit dazwischen.

Ein Online-Screener wie der GAD-7 kann keine Diagnose stellen – das kann nur ein ausführliches klinisches Gespräch. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du schnell einen Termin bekommst, was dich dort erwartet, und was in der Zwischenzeit hilft.

Die gute Nachricht vorweg: Angststörungen gehören zu den am besten erforschten und behandelbaren psychischen Erkrankungen, und der Zugang zu professioneller Hilfe ist in Deutschland unkomplizierter, als viele denken – für eine erste Abklärung brauchst du weder eine Überweisung noch eine Genehmigung deiner Krankenkasse.

Der Weg zur Behandlung – Schritt für Schritt

1. Hausärztin/Hausarzt oder direkt eine Psychotherapeutin/ein Psychotherapeut

Anders als bei vielen anderen Facharztterminen brauchst du für eine erste psychotherapeutische Abklärung keine Überweisung. Du kannst dich direkt an eine Praxis wenden oder zuerst deine Hausärztin/deinen Hausarzt aufsuchen – etwa um körperliche Ursachen häufiger Angstsymptome (z. B. Schilddrüse, Herz-Kreislauf) abzuklären, die sich oft sehr ähnlich anfühlen. Beide Wege sind richtig; wichtig ist nur, dass du einen davon gehst.

2. Die psychotherapeutische Sprechstunde

Seit einer Gesetzesreform 2017 muss jede zugelassene Praxis eine psychotherapeutische Sprechstunde anbieten – ohne Überweisung, nur mit der Versichertenkarte. Die Terminservicestelle 116117 vermittelt dir innerhalb von vier Wochen einen Termin dafür. Die Sprechstunde dauert mindestens 25 Minuten und kann bis zu sechsmal stattfinden; darin wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und welche Hilfe sinnvoll ist.

3. Befundbericht und Empfehlung

Am Ende der Sprechstunde bekommst du einen Befundbericht: eine erste Einordnung (z. B. eine Diagnose wie generalisierte Angststörung, Panikstörung oder soziale Phobie) und eine Empfehlung für die weiteren Schritte – etwa eine Richtlinientherapie, eine Akutbehandlung bei dringendem Bedarf, oder den Hinweis, dass eher andere Unterstützung passender ist.

4. Therapieplatz und gegebenenfalls Medikation

Wird eine Therapie empfohlen, hilft die Praxis oder erneut die Terminservicestelle bei der Suche nach einem Therapieplatz – das kann je nach Region und Auslastung dauern. Kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontationselementen zeigt bei Angststörungen die höchste Wirksamkeit; bei stärkerer Ausprägung kann ergänzend eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, die deine Hausärztin/dein Hausarzt oder eine Psychiaterin/ein Psychiater mit dir bespricht.

Anlaufstellen im Netz

Deutsche Angst-Hilfe e.V. (DASH)

Bundesweite Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Angststörungen: Peer-to-Peer-Beratung, Online-Selbsthilfegruppen und eine Übersichtskarte mit Angst-Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland.

angstselbsthilfe.de

Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Bundesweite Arztsuche, filterbar nach Fachrichtung, Ort, Sprache und Barrierefreiheit – hilfreich, um gezielt eine Praxis mit psychotherapeutischer Sprechstunde in der Nähe zu finden.

arztsuche.116117.de

Anlaufstellen vor Ort

Terminservicestelle

Vermittelt innerhalb von vier Wochen einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde – telefonisch, online oder per App.

116 117

Angst-Telefon der Deutschen Angst-Hilfe (DASH)

Telefonische Peer-Beratung durch Menschen mit eigener Angststörungs-Erfahrung – Unterstützung auf Augenhöhe, keine klinische Behandlung.

089 21 52 97 72 oder dash@angstselbsthilfe.de

Hausärztin/Hausarzt oder Psychotherapeutin/Psychotherapeut

Direkter Anlaufpunkt vor Ort, ohne Überweisung nötig.

vor Ort

Lokale Angst-Selbsthilfegruppe

Die DASH-Gruppensuche zeigt Angst-Selbsthilfegruppen in deiner Nähe, inklusive Zeiten, Treffpunkten und Kontaktpersonen.

angstselbsthilfe.de/angebote/dash-gruppensuche

Arbeitsheft für die Zeit dazwischen

Zwischen erstem Verdacht und dem eigentlichen Therapieplatz liegen oft Wochen. Diese Zeit lässt sich nutzen: Ein strukturiertes Arbeitsheft macht sichtbar, welche Sorgen produktiv sind und welche nicht, und hilft, erste Vermeidung schrittweise abzubauen – wertvoll für dich und für das Gespräch in der Sprechstunde.

Weitere Tipps für den Alltag

  • Feste „Sorgenzeit“ einplanen: ein begrenztes Zeitfenster am Tag fürs Grübeln, statt es den ganzen Tag zuzulassen.
  • Vermeidung erkennen: kurzfristige Erleichterung durch Ausweichen verstärkt Angst langfristig – kleine, machbare Annäherungsschritte wirken besser.
  • Verlängerte Ausatmung üben (z. B. 4 Sekunden ein-, 6 Sekunden ausatmen) – aktiviert das beruhigende Nervensystem.
  • Koffein- und Alkoholkonsum im Blick behalten, da beides Angstsymptome verstärken kann.
  • Katastrophengedanken schriftlich hinterfragen: „Wie wahrscheinlich ist das wirklich? Was spricht dagegen?“
  • Körperliche Bewegung regelmäßig einplanen – wirkt nachweislich spannungsreduzierend.
Diese Seite ersetzt keine professionelle Diagnostik und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – je nach Wohnort und Praxisauslastung kann der tatsächliche Weg von der obigen Beschreibung abweichen. Bei akuten seelischen Krisen oder Gedanken an Selbstverletzung: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei und anonym, rund um die Uhr, bei Gefahr 112. Weitere Hilfsangebote für andere Themen: die Übersicht unter „Hilfe & Anlaufstellen“.

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