Essverhalten: der Weg zur Beratung
Der SCOFF-Fragebogen hat dir einen ersten Hinweis gegeben – aber wie geht es jetzt konkret weiter? Der komplette Weg: die spezialisierte Beratungsstelle als erste Anlaufstelle, Anlaufstellen im Netz und vor Ort, das Beratungsgespräch und unser Arbeitsheft für die Zeit dazwischen.
Ein Online-Screener wie der SCOFF-Fragebogen kann keine Diagnose stellen – das kann nur ein ausführliches Gespräch mit einer Fachperson. Aber ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen. Diese Seite ist genau das: keine weitere Selbsteinschätzung, sondern der konkrete Weg dorthin – wer wofür zuständig ist, wie du eine passende Stelle findest, was dich dort erwartet, und was in der Zwischenzeit hilft.
Die gute Nachricht vorweg: Essstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen mit den höchsten gesundheitlichen Risiken, sind aber bei frühzeitiger Behandlung gut therapierbar – und der Zugang zu spezialisierter Beratung ist in Deutschland bewusst niedrigschwellig gehalten. Die meisten Beratungsstellen sind kostenfrei und du brauchst weder eine Überweisung noch eine fertige Diagnose, um dort ernst genommen zu werden.
Der Weg zur Beratung – Schritt für Schritt
1. Hausärztin/Hausarzt
Ein guter erster Schritt ist ein Termin bei deiner Hausärztin/deinem Hausarzt – nicht, weil er zwingend nötig ist, sondern weil Essstörungen körperliche Risiken mit sich bringen können (z. B. Kreislauf, Elektrolythaushalt), die medizinisch im Blick behalten werden sollten. Sie/er kann außerdem an eine spezialisierte Stelle weitervermitteln.
2. Eine spezialisierte Beratungsstelle für Essstörungen finden
Beratungsstellen für Essstörungen sind eigenständig zugänglich – meist ohne Überweisung, oft kostenfrei und teils anonym möglich. Über die bundesweite Datenbank der BIÖG (vormals BZgA) findest du Beratungsstellen in deiner Nähe, die sich an anerkannten fachlichen Leitlinien orientieren.
3. Das Beratungsgespräch
Im Gespräch wird dein Essverhalten und dein Verhältnis zum eigenen Körper eingeordnet – ergebnisoffen und ohne Druck auf ein bestimmtes Ziel. Gemeinsam wird geklärt, welche Form von Unterstützung passt: von begleitenden Gesprächen über ambulante Therapie bis hin zu tagesklinischer oder stationärer Behandlung bei stärkerer Ausprägung.
4. Therapieplatz und weitere Begleitung
Wird eine Therapie empfohlen, hilft die Beratungsstelle bei der Suche nach einem passenden Platz – das kann je nach Region dauern. Der Bundesfachverband Essstörungen e.V. führt zusätzlich eine Übersicht freier Therapieplätze, die die Suche beschleunigen kann.
Anlaufstellen im Netz
BIÖG Essstörungen (vormals BZgA)
Informationsportal mit bundesweiter Datenbank spezialisierter Beratungsstellen für Essstörungen, entwickelt gemeinsam mit dem Bundesfachverband Essstörungen.
essstoerungen.bioeg.de →Bundesfachverband Essstörungen e.V. (BFE)
Fachverband spezialisierter Einrichtungen und Therapeut:innen, mit Kontaktadressen und einer Übersicht freier Therapieplätze nach Region.
bundesfachverbandessstoerungen.de →Anlaufstellen vor Ort
Beratungstelefon Essstörungen (BIÖG, vormals BZgA)
Kostenfreie, anonyme telefonische Beratung zu Essstörungen – für Betroffene und Angehörige, inklusive Hilfe bei der Suche nach Beratung und Therapie.
0221 892031 (Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr)
Spezialisierte Beratungsstelle für Essstörungen
In der Regel kostenfrei, oft ohne Überweisung zugänglich – auffindbar über die Datenbank der BIÖG oder des Bundesfachverbands Essstörungen.
vor Ort
Hausärztin/Hausarzt
Erster Anlaufpunkt für medizinische Abklärung und Vermittlung an spezialisierte Angebote.
vor Ort
TelefonSeelsorge
Kostenfrei, anonym, rund um die Uhr erreichbar – auch bei akuter seelischer Belastung.
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
Arbeitsheft für die Zeit dazwischen
Zwischen erstem Verdacht und dem eigentlichen Beratungstermin liegt oft noch Zeit. Diese Zeit lässt sich nutzen: ein Arbeitsheft, das bewusst ohne Kalorien- oder Mengenangaben auskommt und stattdessen hilft, das eigene Verhältnis zum Essen zu reflektieren – wertvoll für dich und für das Gespräch in der Beratungsstelle.
Weitere Tipps für den Alltag
- Regelmäßig essen statt restriktiv – ausgelassene Mahlzeiten begünstigen häufig spätere Essanfälle.
- Kalorienzählen oder ständiges Wiegen nicht als Weg zur „Selbsttherapie“ nutzen – das verstärkt oft die Fixierung.
- Mit einer Vertrauensperson sprechen, auch wenn Scham im Weg steht – die meisten Betroffenen berichten im Nachhinein, dass genau dieser Schritt am schwersten, aber am wichtigsten war.
- Social-Media-Konsum kritisch prüfen: Inhalte, die Körperbilder oder Diäten glorifizieren, bewusst reduzieren.
- Frühzeitig fachliche Hilfe suchen – je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Aussichten.
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