ΨEmpiralis
← Zurück zum Test

Wissenschaftlicher Hintergrund: Autistische Merkmale

Über diesen Test

Der RAADS-R wurde 2011 von Ritvo und Kolleg:innen als überarbeitete Fassung der ursprünglichen RAADS veröffentlicht und ist eines der am häufigsten in Forschung und Praxis eingesetzten Screening-Instrumente für autistische Merkmale bei Erwachsenen. Er ist in vier Bereiche gegliedert: soziale Bezogenheit, umschriebene Interessen, Sprache und Sensomotorik. Die Originalstudie schlug einen Gesamt-Schwellenwert von 65 Punkten vor, ab dem autistische Merkmale wahrscheinlich sind (Kontrollgruppe ohne Autismus: Mittelwert ca. 21 Punkte). Die Originalarbeit (Ritvo et al., 2011, Tabelle 3, ROC-Analyse an 201 autistischen und 578 nicht-autistischen Erwachsenen) veröffentlicht zusätzlich je einen eigenen Schwellenwert pro Subskala: Soziale Bezogenheit 31, Umschriebene Interessen 15, Sprache 4, Sensomotorik 16 – das ist jeweils die Grenze zwischen „unauffällig“ und „mit Autismus vereinbar“ unten. Eine weitere Abstufung „ausgeprägt“ oberhalb dieser Schwellenwerte ist keine Vorgabe der Originalstudie (die nur einen einzelnen Schwellenwert pro Subskala definiert), sondern eine zusätzliche, eigene Orientierungshilfe. Wichtig: Sowohl niedrigere als auch höhere Werte kommen bei autistischen wie nicht-autistischen Menschen vor – insbesondere ausgeprägtes „Masking“ (siehe CAT-Q) kann den Wert senken. Der Test kann daher niemals eine Diagnose ersetzen, sondern liefert lediglich Hinweise, die eine weitere fachliche Abklärung sinnvoll erscheinen lassen können.

Dimensionen

Gesamtscore

Summenwert über alle 80 Items (0–240 Punkte). Die Originalstudie schlägt 65 Punkte als Schwellenwert vor.

Soziale Bezogenheit

Soziale Wechselseitigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen, das Verstehen sozialer Erwartungen und sozialer Signale.

Umschriebene Interessen

Intensive, fokussierte Interessen, Bevorzugung von Gleichförmigkeit, Schwierigkeiten mit Veränderungen, repetitive Gedanken oder Verhaltensweisen.

Sprache

Pragmatische Sprachbesonderheiten, wörtliche Interpretation, das Verstehen von Metaphern und indirekten Bedeutungen, Smalltalk.

Sensomotorik

Sensorische Empfindlichkeiten, sensorisches Suchverhalten oder reduzierte Empfindlichkeit, motorische Eigenheiten, Besonderheiten von Sprechtonfall und -rhythmus.

Quellen & Lizenz

  • Ritvo, R. A., Ritvo, E. R., Guthrie, D., Ritvo, M. J., Hufnagel, D. H., McMahon, W., ... & Eloff, J. (2011). The Ritvo Autism Asperger Diagnostic Scale-Revised (RAADS-R): A scale to assist the diagnosis of autism spectrum disorder in adults. Journal of Autism and Developmental Disorders, 41(8), 1076–1089.

    Der Fragebogen selbst ist urheberrechtlich geschützt (© Riva Ariella Ritvo, Ph.D. und Edward Ritvo, M.D., 2007). Der ihn enthaltende Fachartikel (Ritvo et al., 2011) ist über PMC unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC veröffentlicht, die nicht-kommerzielle Nutzung mit Namensnennung erlaubt – so wie zahlreiche andere frei zugängliche RAADS-R-Testseiten verfahren. Die deutschen Formulierungen sind eine eigene, nicht klinisch validierte Übersetzung der englischen Originalitems.

    https://embrace-autism.com/raads-r/
Dieser Test ist ein Selbsterkundungs-Instrument und keine klinische oder diagnostische Beurteilung von Autismus. Autistische wie nicht-autistische Menschen können sowohl über- als auch unterhalb der genannten Schwellenwerte liegen. Eine Einordnung, ob eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegt, kann ausschließlich im Rahmen einer fachlichen Diagnostik durch spezialisierte Psycholog:innen oder Ärzt:innen erfolgen.
Anzeige

Passende Artikel

Wie so ein Test wirklich entsteht und geprüft wird – verständlich erklärt.

Ratgeber zu diesem Thema

Hintergrundwissen, Handlungstipps und druckbare Materialien.

Was jetzt?

Der konkrete nächste Schritt: der echte Weg zur Diagnose, Anlaufstellen im Netz und vor Ort.

Test durchführen